Es war einmal ein japanischer Kaiser, der von seinem Nachbarn, dem Kaiser von China ein sehr edles Porzellangeschirr geschenkt bekam. Es war handgemacht und besonders fein, und alle, die es sahen waren erstaunt von der zarten Präzision, mit der es verziert war. Es war aber nicht nur schon und kostbar, sondern auch die erste Geste der Versohnung nach mehreren Jahrzehnten des Streits, und hatte damit einen großen Wert fur das ganze Kaiserreich.
Auch wenn das Geschirr nur sehr selten, und nur bei sehr wichtigen Gelegenheiten benutzt wurde, passierte es eines Tages, das eine der Schalen während einer Tee-Zeremonie auf den Boden fiel und in mehrere Stucke zerbrach. Der japanische Kaiser litt sehr unter dem Verlust und rief die besten Kunsthandwerker des Landes in seinen Palast, um die zerbrochene Schale wieder zu reparieren. Sie dachten sich verschiedene Methoden aus und die Schale wurde mehrmals unter großem Bemuhen wieder zusammengesetzt, aber nie war der Kaiser zufrieden. Die Schale hatte ihren ursprunglichen Reiz verloren, das Zerbrechliche war zerbrochen. Die Reparaturlinien, so fein sie auch waren, erinnerten immer noch an das Zerspringen der Schale.
Eines Tages kam ein Keramiker aber auf die Idee, den Sprung in der Schussel nicht zu kaschieren, sondern den Makel hervorzuheben. Er nahm die Teile der Schale und arbeitete Wochen lang daran, die Stucke mit feinem Gold wieder miteinander zu verbinden. Diese Methode nannte er Kintsugi. Da war der Kaiser endlich zufrieden. Die Bruche waren zwar noch zu sehen, doch nun glänzten sie wunderbar golden. Die Schale war zwar nicht die alte Schale, dafur aber ein neues Kunstwerk, das ohne den Bruch nicht hätte entstehen konnen.

Wo Chemnitz sich am liebsten hinter Mama Sachsen verbirgt, ist Glamnitz stolz auf sich und kann sich zeigen.

Wenn Chemnitz droht, von der Landkarte zu verschwinden,macht Glamnitz seine eigene Karte.

Ein Upside-Down von Chemnitz.

Wer Chemnitz nicht liebt ist wahrscheinlich realistsich.
Aber wer Glamnitz nicht liebt ist innerlich tot.

Ach, kleine große Stadt. Du, immer Dorf im Herzen. Altes Dorf, mit viel Geschichte: Industriestadt, Boom und 20er Jahre Tanz auf dem Vulkan, Stadt des Krieges und der Bomben, umbenannte und

rückumbenannte Stadt. Deutsche Stadt, Nazi-Stadt. Wende-Geschichte-Stadt. Geprägt, Stillstand unmoglich, getrieben. Leben ist Bewegung.


Und plötzlich: Eine Mauer aus grau. Eine Mauer baut sich auf vor dem größten unsrer Köpfe und schreit: „STOP! Zuruck in die nie existente Vergangenheit!“


Die Mauer sagt: „Ich fühl mich wohl und groß, wie ich hier steh. Steh euch im Weg in die Zukunft und ihr guckt blass aus großen Augen und glaubt nicht, was ihr seht!“

Es ist hohe Zeit, daß die Glamnitzer*innen ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Glamours ein Manifest selbst entgegenstellen.

Für all die, die im Grau die Farben suchen.
Für all die, die nicht fasadenstumm verharren wollen.
Für all die, die spuren,
dass zwischen zwei Polen
ganze Welten liegen.
Für all die, die den Glanz suchen.
Glanz des Rausches, der Ekstase, der Freiheit.
Glanz der Offenheit, der Liebe und der Grenzenlosigkeit.

Jede Geste wird zur Feier des Tages


Für all die, die sich verlieben auf den zweiten Blick.

Für all die, die den Mensch im Menschen lieben.

Für all die, die den grauen Dreck weg tanzen wollen. 

Jetzt sind wir unentrinnbar alle zusammen.

Tanzt!

Was für ein schoner Imperativ. Glamnitz!
Ein Ort
für schillernde Visionen für jedermann- und frau und alles dazwischen

darüber und darunter

Rund,

grad,
krumm,
allein,

gesellig,
laut,
leise,
müde und wach.